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Das Böse
Mai 14, 2008, 3:50
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Das Böse

ist eine Erfindung des Christentums.
Man musste die Welt nur zweiteilen , in Gut und Böse , Gott und Teufel , Himmel und Hölle , Gläubige und Sünder und hatte überzeugend wirksame Gegenbilder für alle Zwecke bereit : für den Alltag der Menschen , für die Religion , für die Kunst , für die Politik .

Mittelalter

Bosch und Breughel

Barock – Gedichte

Die europäische Aufklärung des 18. Jahrhunderts hat an einem neuen Menschenbild gearbeitet .

Voltaire Rousseau

Kants kategorischer Imperativ : ca. 1790 formuliert , also gleichzeitig mit der Französischen Revolution von 1789

Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 ebenda) ist der Philosoph , der als erster die Funktionsweise der menschlichen Vernunft untersucht hat . Wie die Menschen miteinander umgehen sollen , definiert er als Problem der praktischen Vernunft .
Er definiert Menschen als vernunftbegabte Wesen , weiß aber auch , dass sie über vernunftfremde Eigenarten verfügen : Begehren , Willen , Gefühle , Lust und Unlust steuern menschliches Verhalten im praktischen Leben und führen zum Ergebnis , andere Menschen den eigenen Interessen unterzuordnen . Die Mitmenschen werden zum Mittel , die eigenen Interessen durchzusetzen .
Wenn Menschen aus Vernunft handeln , müssen sie ihre Lebenspraxis unter Gesetze stellen : das allgemeinste Gesetz formuliert Kant im sog. Kategorischen Imperativ :

„Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“

In einer anderen Formulierung :
„Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.“

Übersetzt heißt das :

Handle immer so , wie du erwartest , dass andere Menschen dich behandeln . Respektiere andere , behandle sie als Menschen mit gleichen Rechten . Verboten sind so Misshandlung , Unterwerfung , Verletzung , Beschädigung , Betrug . Die gegenseitige gewaltfreie Behandlung gleicher , freier , vernünftiger Menschen respektiert den Vernunftkern , der in allen Menschen gleich angelegt ist .

Kants Maxime (=allgemein geltendes Vernunftgesetz) ist die ideale Formulierung gegen das Böse in der Welt , zugleich aber idealistisch in einem problematischen Sinn :
in einer Welt des Feudalismus , der alten Adelsherrschaft mit Leibeigenen , mit politischer Unterdrückung ,
in der schon der bürgerliche Kapitalismus mit seinen neuen Arbeitssklaven entsteht , mit Kinderarbeit und Massenelend ,
in einer Welt permanenter Kriege
wirkt Kants Kategorischer Imperativ extrem weltfremd .

Und philosophisch gesehen ganz einseitig , weil Kant den Menschen als Vernunftwesen definiert und die anderen , vitalen Seiten des menschlichen Wesens in den Hintergrund stellt .

Die Kunst der Zeit , vor allem die Malerei , stellt im Gegensatz dazu die die sinnliche Welt , die Wirklichkeit in den Vordergrund .

Gleichzeitig zur Aufklärung gibt es üppige Darstellungen des Bösen

William Blake The Great Red Dragon

www.humanist.de

William Blake, Der große Rote Drache und die Frau, mit der Sonne bekleidet. um 1805-1810

www.onlinekunst.de

Illustrationen zu Marquis de Sade

kamas.blogspot.com

longedemaisdascapitais.blogspot.com
Wenn man so will , ist der Marquis de Sade (* 2. Juni 1740 in Paris; † 2. Dezember 1814 in Charenton-Saint-Maurice bei Paris) das extreme Gegenstück zu Kant : die Figuren de Sades leben ihre Körperlust aus . Sexualität , Lust und Schmerz sind die Maximen in de Sades Welt , nicht die Regeln der Vernunft .
Philosophisch gesehen sind die Wesen bei de Sade Maschinen , ihre Energien beziehen sie aus ihren körperlichen Lüsten .

Und die Gesetze bei de Sade heißen :

Verwirkliche deine Lust immer (nicht nur einmal die Woche wie in der bürgerlichen Ehe)
Lustausübung hatten die christlichen Kirchen mit der Fortpflanzung gekoppelt , Sexualität war nur zur Zeugung von Kindern erlaubt . Bei de Sade wird Lust zur unabhängigen Aktion .
Lust wird aus der Familie emanzipiert und zum individuellen Bedürfnis : jeder kann mit jedem .
Also : Männer mit Frauen , Männer mit Männern , Frauen mit Frauen , alle auch mit Kindern .
Lust geht in Schmerz über – heute würde man von sexueller Folter reden . Das ist der deutlichste Gegensatz zu Kants Maxime .

Man nennt die Bücher de Sades ‚schwarze Texte’ . Sie öffnen eine Welt zwischen Lust und Gewalt , die es vorher auch gab , die aber nie vorher so propagiert wurde .

Francisco de Goya y Lucientes: Szene: Saturn verschlingt eines seiner Kinder.
1821-1823, Öl auf Leinwand, 146 × 83 cm. Madrid, Museo del Prado, Detail.

www.onlinekunst.de

Aus : Bilder aus dem spanischen Bürgerkrieg

www.smh.com.au

Goya bezieht seine Bilder , in denen das Grauen lebendig wird , aus antiken Mythen (der Saturn) und aus den Schrecken des spanischen Bürgerkriegs (etwa 1812) .
Seine Bilder aus dem spanischen wirken wie Dokumente aus der Zeit vor der Photographie , realistisch und grausam .

Hitler

„Wenn ich einmal wirklich an der Macht bin, dann wird die Vernichtung der Juden meine erste und wichtigste Aufgabe sein. Sobald ich die Macht dazu habe, werde ich zum Beispiel in München auf dem Marienplatz Galgen neben Galgen aufstellen lassen. Dann werden die Juden gehängt, einer wie der andere, und sie bleiben hängen, bis sie stinken. So lange bleiben sie hängen, wie es nach den Gesetzen der Hygiene möglich ist, sobald man sie abgeknüpft hat, kommen die nächsten dran, und das geschieht so lange, bis der letzte Jude in München ausgetilgt ist. Genauso wird in anderen Städten verfahren, bis Deutschland vom letzten Juden gereinigt ist.“

www.sgipt.org/politpsy/3reich/volkwis.htm -

Die christlichen Juden noch 3 Meter höher gehängt als die Hebräer aus Dokument Nr. 109, S.148 [wie Luther]:
„… Amerika wurde zu Hilfe gerufen, und damit trat das internationale Großkapital sichtbar in die Erscheinung. Nun treibt es wahre Orgien des Raubes und des Wuchers, die Völker werden zur Schlachtbank getrieben. Neue Anleihen sollen Deutschland zum ewigen Knechte des Leihkapitals machen. Wer ist der Träger dieses Kapitales des mühelosen Verdienstes? Wir armes Volk mit der jüdischen Schlinge um den Hals brauchen keinen Antisemitismus aus Ostelbien. Wir besitzen ihn, seitdem der Jude in die Erscheinung trat und die Seele unseres Volkes vergiftete. Das Verbot mühelosen Verdienstes muß die höchste Forderung ethischer Art aller Völker werden. Nieder mit dem Zinskapital! Die christlichen Juden noch 3 Meter höher gehängt als die Hebräer. Die Anleihen nur gegen Auslieferung unserer Finanzhoheit. Nackter ist das brutale Tier des Leihkapitals noch nie hervorgetreten. Bis jetzt gaben wir, was wir hatten. Nun sollen wir geben, was wir erarbeiten. Wo war die internationale Solidarität, als es zum Krieg kam, und wo ist sie in der schwarzen Schande an der Saar? Erst gute Bayern werden wie Ludwig I. und II. Laßt das Schimpfen auf norddeutsche Stämme, nicht die Sprache sondern das Herz macht den Deutschen. Das friderizianische Berlin ist durch die Juden zum Saustall geworden. Erst die Juden aus Berlin und München und Wien hinausgefeuert, ehe man die deutschen Bruderstämme verlästert. Heute gilt es einig sein und nicht streiten. Bayerische Art und Eigentum kann man trotzdem wahren. Deutsch müssen wir bleiben, ein einig Volk von Brüdern. Wo 2 Deutsche sich streiten, lacht der Jude.“
Aus der Rede „Der Weltkrieg und seine Macher“ in Rosenheim am 17.6.1920 auf einer NSDAP-Versammlung. Bericht Rosenheimer Tagblatt vom 19.6.1920. Das Blatt: „Der Hofbräusaal konnte die Massen nicht fassen …“
Den Juden „bekämpfen heißt ihn entfernen“ aus Dokument Nr. 116, S. 156
„… In der Judenfrage ist unsere Stellungnahme unverrückbar festgelegt. Sie wird nicht bestimmt durch Momente des Fühlens (Gefühlsantisemi[ti]smus), sondern durch nüchternes Erkennen des Tatsächlichen. Danach wäre folgendes zu bemerken: Der Jude ist als Ferment der Dekomposition (nach Mommsen) losgelöst von gut oder böse des einzelnen Ursache des inneren Zusammenbruchs aller Rassen überhaupt, in die er als Parasit eindringt. Seine Tätigkeit ist Zweckbestimmung seiner Rasse. Sowenig ich einer Tuberkelbazille einen Vorwurf machen kann einer Tätigkeit wegen, die für den Menschen Zerstörung bedeutet, für sie aber Leben heißt, so sehr bin ich aber auch gezwungen und berechtigt, um meiner persönlichen Existenz willen den Kampf gegen die Tuberkulose zu führen durch Vernichtung ihrer Erreger. Der Jude aber wird und wurde durch Jahrtausende hindurch in seinem Wirken zur Rassetuberkulose der Völker. Ihn bekämpfen heißt ihn entfernen. Und erst nach seiner Entfernung wird der Kampf gegen den Judengeist und Mammonismus aufgenommen werden können. …“
Aus einem Brief an Konstantin Hierl mit Briefkopf der NSDAP vom 3. Juli 1920.
Die Strafe wäre Tod … aus Warum sind wir Antisemiten? Dokument Nr. 136, S. 184-204, hier S. 198
„… Und so wirkt der Jude weiter. Für ihn gibt es kein seelisches Empfinden, und wie der Erzvater Abraham schon sein Weib verkuppelt, so findet er nichts besonderes daran, wenn er auch heute Mädchen verkuppelt, und wir können ihn antreffen überall, in Nordamerika wie in Deutschland, Österreich Ungarn und im ganzen Orient durch die Jahrhunderte als den Händler der Menschenware, und es kann nicht weggeleugnet werden, das kann der größte Judenverteidiger nicht wegleugnen, daß alle diese Mädchenhändler nur Hebräer sind. Man kann hier mit Material aufwarten, das grauenhaft ist. Dem germanischen Empfinden gäbe es hier nur eine einzige Strafe: die Strafe wäre Tod: für Menschen, die Schindluder mit dem treiben, als Geschäft auffassen, als Ware, was Millionen anderen höchstes Glück oder größtes Unglück bedeutet. Jenen aber ist Liebe weiter nichts als ein Geschäft, mit dem sie Geld verdienen. Sie sind jederzeit bereit, das Glück irgend einer Ehe zu zerreißen, wenn nur 30 Silberlinge herauszubringen sind (stürmisches Bravo und Händeklatschen).“
„Warum sind wir Antisemiten?“ Rede auf einer NSDAP-Versammlung’ im Festsaal des Hofbräuhauses am 13. August 1920 von 19.30-23.00 Uhr. Bericht des Politischen Nachrichten Dienstes des Münchner Polizeipräsidiums. Mehrere Quellen und auch Berichte, so im Völkischen Beobachter vom 22.8.1920 und in der Münchner Post (SPD nahe) vom 15.8.1920.
Der Jude kein Mensch, ein Ebenbild des Teufels aus Dokument Nr. 524, S. 918 [wie Luther]:
Kostprobe (S. 918): „…Der Jude ist wohl Rasse, aber nicht Mensch. Er kann gar nicht Mensch im Sinne des Ebenbild[es] Gottes, des Ewigen sein. Der Jude ist das Ebenbild des Teufels. Das Judentum bedeutet Rassentuberkulose der Völker. …“
Aus einer Rede auf einer NSDAP-Versammlung am 1. Mai 1923 in München im Zirkus Krone, 20.00 Uhr; 2000 Leute konnten keinen Platz mehr bekommen. Der Kommentator ergänzt das Hitler-Zitat : „Hitler ließ dann eine wüste, an die gemeinen Instinkte der rohen Masse appellierende allgemein gehaltene Schimpfkanonade gegen das Judentum los, die eine Pogromstimmung hervorbrachte.“
rohen. Im Original heißt es „roten“, wahrscheinlich ein Lese/Schreibfehler.
Der Jude ein Dämon der Völkerzersetzung aus Dokument Nr. 524, S. 919:
„Der Jude als Rasse hat eminente Selbsterhaltung, als Mensch aber besitzt er keine kulturelle Befähigung. Er ist ein Dämon der Völkerzersetzung, das Symbol der dauernden Zerstörung der Völker.“
Aus einer Rede auf einer NSDAP-Versammlung am 1. Mai 1923 in München im Zirkus Krone, 20.00 Uhr; 2000 Leute konnten keinen Platz mehr bekommen.
________________________________________
Alles Zitate aus der frühen Zeit – bis 1924

www.sgipt.org/politpsy/3reich/volkwis.htm

Wichtig für die Frage : was konnten Deutsch über Hitlers Vorstellungen wissen

Hitler – Zitate :

1. „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa! “
Reichstag speech, January 30, 1939
Quelle : http://www.holocaust-history.org/nazis-words/ !!! eine ganz wichtige Seite mit weiteren Zitaten

2. „Wir sind uns im klaren, daß dieser Krieg ja nur damit enden könnte, daß entweder die germanischen Völker ausgerottet werden, oder das Judentum aus Europa verschwindet. Ich habe am 1. September 1939 [sic] im Deutschen Reichstag es schon ausgesprochen. . . daß dieser Krieg nicht so ausgehen wird, wie die Juden sich es vorstellen, nämlich daß die europäischen arischen Völker ausgerottet werden, sondern daß das Ergebnis dieses Krieges die Vernichtung des Judentums ist. Zum erstenmal werden nicht andere allein verbluten, sondern zum erstenmal wird diesesmal das echt altjüdische Gesetz angewendet: Aug’ um Aug’, Zahn um Zahn! „
Speech of January 30, 1942 (monitored by the Allied monitoring service)
Quelle : http://www.holocaust-history.org/nazis-words/ die gleiche Site wie oben !!!

Der ideologische Hintergrund , aus ‚Mein Kampf’ :

Hitler über Idealismus :

3. „Da aber wahrer Idealismus nichts weiter ist als die Unterordnung der Interessen und des Lebens des einzelnen unter die Gesamtheit , dies aber wieder die Voraussetzung für die Bildung organisatorischer Formen jeder Art darstellt , entspricht er im innersten Grunde dem letzten Wollen der Natur . Er allein führt die Menschen zur freiwilligen Anerkennung de Vorrechts der Kraft und der Stärke und lässt sie so zu einem Stäubchen jener Ordnung werden , die das ganze Universum formt und bildet .“ Mein Kampf , 1933 , 327f.

Kommentar : Idealismus bei Kant hieß : menschliches Handeln auf Vernunft zu begründen . Natürliche Triebe , instinktiver Wille , egoistische Ziele sollten ausgeschieden werden . Dieser preußische Idealismus war gewissermaßen anti-natürlich .
Nietzsche hatte diesen Idealismus als unnatürlich angegriffen und forderte , das Leben , die vitalen Kräfte , den Egoismus der lebendigen Menschen als erstes Prinzip anzuerkennen . Weil das Leben überleben will , muss es die Vernunft überwinden . Vernunft als Schwächung des Lebens , als europäische Krankheit .

Hitler , von dem man immer vorschnell sagt , er folge Nietzsche , baut Nietzsche um : Hitlers oberstes Prinzip ist die Gesamtheit , also die ‚Volksgemeinschaft’ , der sich die Einzelnen zu unterwerfen haben . Genau das Gegenteil von Nietzsches organischem Egoismus .

Über Juden :

4. „Den gewaltigsten Gegensatz zum Arier bildet der Jude . Bei kaum einem Volke der Welt ist der Selbsterhaltungstrieb stärker entwickelt als beim sogenannten auserwählten (Volk , RS) . Als bester Beweis hierfür darf die einfache Tatsache des Bestehens dieser Rasse schon allein gelten . Wo ist das Volk , das in den letzten zweitausend Jahren so wenigen Veränderungen der inneren Veranlagung , des Charakters usw. ausgesetzt gewesen wäre als das jüdische ? Welches Volk endlich hat größere Umwälzungen mitgemacht als dieses – und ist dennoch immer als dasselbe aus den gewaltigsten Katastrophen der Menschheit hervorgegangen ? Welch ein unendlicher Wille zum Leben , zur Erhaltung der Art spricht aus diesen Tatsachen !“ Mein Kampf , 1933 , 329

Kommentar : Merkwürdig , wie Hitler dem jüdischen Volk Eigenschaften bescheinigt , die er auch für die sog. arische Rasse geltend macht – Identität , eine eminente Fähigkeit zur Selbsterhaltung .

5. Der Sinn für die Gemeinschaft , der Aufopferungssinn beim jüdischen Volk
„ist nur ein scheinbarer . Er besteht nur so lange , als die Existenz jedes einzelnen dies unbedingt erforderlich macht . Sobald jedoch der gemeinsame Feind besiegt . die allen drohende Gefahr beseitigt , der Raub geborgen ist , hört die scheinbare Harmonie der Juden untereinander auf , um den tatsächlich vorhandenen Anlagen wieder Platz zu geben . Der Jude ist nur einig , wenn eine gemeinsame Gefahr ihn dazu zwingt oder eine gemeinsame Beute lockt ; fallen beide Gründe weg , so treten die Eigenschaften eines krassesten Egoismus in ihre Rechte , und aus dem eigenen Volk wird im Handumdrehen eine sich blutig bekämpfende Rotte von Ratten .“ Mein Kampf , 1933 , 330

Kommentar : Juden bilden danach eigentlich kein Volk , sondern eine Meute , eine Rotte . Keine Gruppe Menschen , sondern in ihrem Verhalten wie Tiere . Das Bild von den Ratten spielt eine wichtige Rolle in dem Propaganda-Film „Der ewige Jude“ (Der 1940 gedrehte Film „Der ewige Jude“ war nach den Worten seines Regisseurs Fritz Hippler (1909-2002) eine „Symphonie des Ekels und des Grauens“. ..), in den immer wieder Bilder von aggressiven Ratten eingeblendet wurden .

6. Juden können nur „als Parasit im Körper anderer Völker“ leben .
„Er ist und bleibt der typische Parasit , der Schmarotzer , der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet , sowie nur ein günstiger Nährboden dazu einlädt . Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls der von Schmarotzern : wo er auftritt , stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer oder längerer Zeit ab .“ Mein Kampf , 1933 , 334

Kommentar : muss man nicht kommentieren . weil ‚Parasiten’ zur Vernichtung da sind .
Die ganz , ganz zynische Pointe dieser Metapher dabei : man hat den selektierten Juden in Auschwitz vorgemacht , sie kämen zur Desinfektion unter die Duschen . Die bestand aber aus Zyklon B , übrigens ein Unkrautvernichtungsmittel , die zweite Ebene der zynischen Pointe . Und das nannte sich dann ‚Sonderbehandlung’ , gewissermaßen die dritte Ebene . Kotz .

Hi , Kolja – kein schönes Thema .

Ich hab mal wieder beim Schreiben nicht an dich gedacht – ich denke aber , dass die Texte für sich sprechen und meine Kommentare dir vielleicht helfen , die Zitate einzuordnen .

Ich habe die Zitate zuletzt nummeriert für einige Hinweise :

Zitat 1 und der Kommentar ist mehr für dich selbst gedacht , weil du den Nietzsche ins Spiel gebracht hast , das ist nicht so fürs Referat gedacht .

Die Zitate 2 – 6 – als Textsammlung gemeint , such dir selbst raus , was du brauchen kannst .

Darf ich dir noch etwas Philosophisches sagen ?

Mir ist deutlich geworden – und deshalb habe ich das Ganze auch für mich geschrieben – dass es sich in der Entwicklung von der Aufklärung von Kant über Nietzsche bis Hitler um ein Dilemma handelt , also um ein eigentlich nicht lösbares Problem : wir armen Menschen sind auf Vernunftprinzipien angewiesen , wenn wir uns nicht immer wieder mit der Keule in der Hand und im potenziellen Tötungsmodus gegenübertreten wollen .
Da sind wir bei Kant. Zugleich hat es sich gezeigt , dass Vernunft ein so schwacher Impuls ist , dass sie sich gesellschaftlich nicht durchsetzen lässt : es gibt so viel stärkere Interessen und Instinkte .
Da sind wir bei Nietzsche , der sagt . wir überleben als Organismen . als lebende Lebenswesen nur aus unserem Egoismus . Der ‚Übermensch’ , die ‚schöne Bestie’ als Modell .
Und ein Hitler stellt das Überleben der Volksgemeinschaft über alles , über das Leben der Einzelnen . Auch der arische Übermensch , wenn man so sagen kann , stirbt vor Stalingrad seinen elenden Tod für die Gemeinschaft .

In einem deiner besten frühen Texte hast du das Dilemma übrigens selbst beschrieben : ‚Auf dem Bahnhof’ , wo du eine Szene mit ausländisch-aggressiven ‚Mitmenschen’ öffnest , selbst erlebt oder ausgedacht , weiß ich ja nicht , und schreibst : es gehört ja nicht viel dazu , mich einzuschüchtern . . . Eine Szene ohne jede Vernunft , ohne etwas , auf das man sich vernünftiger Weise verlassen oder verständigen kann .



Goethe Meeresstille
Mai 4, 2008, 5:32
Gespeichert unter: Gedichte

Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche ringsumher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todesstille fürchterlich!
In der ungeheuern Weite
Reget keine Welle sich.



Goethe Abendlied
Mai 4, 2008, 5:27
Gespeichert unter: Gedichte

Über allen Gipfeln
Ist Ruh,
In allen Wipfeln
Spürest du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.



Mai 4, 2008, 5:17
Gespeichert unter: Erzählungen

Franz Kafka – Der Nachbar

Mein Geschäft ruht ganz auf meinen Schultern. Zwei Fräulein

t Schreibmaschinen und Geschäftsbüchern im Vorzimmer, mein Zimmer mit Schreibtisch, Kasse, Beratungstisch, Klubsessel und Telephon, das ist mein ganzer Arbeitsapparat. So einfach zu überblicken, so leicht zu führen. Ich bin ganz jung und die Geschäfte rollen vor mir her. Ich klage nicht, ich klage nicht.

Seit Neujahr hat ein junger Mann die kleine, leerstehende Nebenwohnung, die ich ungeschickterweise so lange zu mieten gezögert habe, frischweg gemietet. Auch ein Zimmer mit Vorzimmer, außerdem aber noch eine Küche. – Zimmer und Vorzimmer hätte ich wohl brauchen können – meine zwei Fräulein fühlten sich schon manchmal überlastet -, aber wozu hätte mir die Küche gedient? Dieses kleinliche Bedenken war daran schuld, daß ich mir die Wohnung habe nehmen lassen. Nun sitzt dort dieser junge Mann. Harras heißt er. Was er dort eigentlich macht, weiß ich nicht. Auf der Tür steht: ›Harras, Bureau‹. Ich habe Erkundigungen eingezogen, man hat mir mitgeteilt, es sei ein Geschäft ähnlich dem meinigen. Vor Kreditgewährung könne man nicht geradezu warnen, denn es handle sich doch um einen jungen, aufstrebenden Mann, dessen Sache vielleicht Zukunft habe, doch könne man zum Kredit nicht geradezu raten, denn gegenwärtig sei allem Anschein nach kein Vermögen vorhanden. Die übliche Auskunft, die man gibt, wenn man nichts weiß.

Manchmal treffe ich Harras auf der Treppe, er muß es immer außerordentlich eilig haben, er huscht formlich an mir vorüber. Genau gesehen habe ich ihn noch gar nicht, den Büroschlüssel hat er schon vorbereitet in der Hand. Im Augenblick hat er die Tür geöffnet. Wie der Schwanz einer Ratte ist er hineingeglitten und ich stehe wieder vor der Tafel ‘Harras, Bureau’, die ich schon viel öfter gelesen habe, als sie es verdient.

Die elend dünnen Wände, die den ehrlich tätigen Mann verraten den Unehrlichen aber decken. Mein Telephon ist an der Zimmerwand angebracht, die mich von meinem Nachbar trennt. Doch hebe ich das bloß als besonders ironische Tatsache hervor.

Selbst wenn es an der entgegengesetzten Wand hinge, würde man in der Nebenwohnung alles hören. Ich habe mir abgewöhnt, den Namen der Kunden beim Telephon zu nennen. Aber es gehört natürlich nicht viel Schlauheit dazu, aus charakteristischen, aber unvermeidlichen Wendungen des Gesprächs die Namen zu erraten. – Manchmal umtanze ich, die Hörmuschel am Ohr, von Unruhe gestachelt, auf den Fußspitzen den Apparat und kann es doch nicht verhüten, daß Geheimnisse preisgegeben werden.

Natürlich werden dadurch meine geschäftlichen Entscheidungen unsicher, meine Stimme zittrig. Was macht Harras, während ich telephoniere? Wollte ich sehr übertreiben – aber das muß man oft, um sich Klarheit zu verschaffen -, so könnte ich sagen: Harras braucht kein Telephon, er benutzt meines, er hat sein Kanapee an die Wand gerückt und horcht, ich dagegen muß, wenn geläutet wird, zum Telephon laufen, die Wünsche des Kunden entgegennehmen, schwerwiegende Entschlüsse fassen, großangelegte Überredungen ausführen – vor allem aber während des Ganzen unwillkürlich durch die Zimmerwand Harras Bericht erstatten.

Vielleicht wartet er gar nicht das Ende des Gespräches ab, sondern erhebt sich nach der Gesprächsstelle, die ihn über den Fall genügend aufgeklärt hat, huscht nach seiner Gewohnheit durch die Stadt und, ehe ich die Hörmuschel aufgehängt habe, ist er vielleicht schon daran, mir entgegenzuarbeiten.